Schüleraustausch in Costa Rica

Costa Rica-Steckbrief
Hauptstadt
San José
Fläche
51.100 km²
Währung
Colón; US-Dollar weit verbreitet
Klima
tropisch bis subtropisch
Trockenzeit: Dezember bis April
Regenzeit: Mai bis November
Staatsform
Präsidialrepublik
Einwohner
ca. 5 Mio.
Sprache
Spanisch
Botschaft der Republik Costa Rica
Reinhardtstraße 47 A-D
10117 Berlin
Tel.: 030-26 39 89 90
emb@embajada-costarica.de
www.botschaft-costarica.de


Das Schulsystem in Costa Rica
Bildung spielt in Costa Rica eine große Rolle. Die Schulpflicht wurde bereits 1863 eingeführt. Im Durchschnitt verwendet die Regierung jährlich sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes für den Bildungssektor. Eine Vielzahl an öffentlichen, privaten und auch bilingualen Schulen stehen den costaricanischen Bürgern zur Verfügung. Mit einer Alphabetisierungsquote von 96 Prozent braucht Costa Ricas international ausgerichtete, moderne Bildungslandschaft somit den Vergleich mit dem Bildungsniveau der Industriestaaten nicht zu scheuen.
Die gesetzliche Schulpflicht beträgt sechs Jahre und die sechsjährigen Schulanfänger werden in die Grundschule (primaria), die sie sechs Jahre lang besuchen, eingeschult. Anschließend wechseln die Schüler auf die weiterführende High School (secundaria), die fünf oder sechs Jahre dauert.
Ab der Sekundarstufe haben die Schüler einen langen Schulalltag vor sich: Der Unterricht fängt um 7 Uhr an und endet meist erst um 17 Uhr. Zudem sind die Pausen kürzer als in Deutschland und der Unterrichtsstoff wird in Doppelstunden vermittelt. Insgesamt müssen die Schüler 48 Wochenstunden bewältigen. Das Tragen einer Schuluniform ist Pflicht.
Das Schuljahr dauert von Februar bis Dezember und ist in der Regel in drei Perioden (periodos) aufgeteilt. Am Semesterende müssen die Schüler in jedem Pflichtfach ihr Wissen in einer schriftlichen Prüfung unter Beweis stellen. Zu den Pflichtfächern zählen: Spanisch, Mathematik, Geschichte und Erdkunde, Englisch oder Französisch, und als naturwissenschaftliches Fach entweder Biologie, Chemie oder Physik. Bei den fakultativen Fächern können die Schüler zwischen Philosophie, Sport, Musik, Kunst und einem weiteren naturwissenschaftlichen Fach wählen. Nach der elften bzw. zwölften Klasse erlangen die Schüler das „Bachillerato“.
Teste dein Costa Rica-Wissen

Erfahrungsberichte
Marie war für ein ganzes Jahr an einer Schule in Costa Rica.
Zu allererst: Schule ist in Costa Rica ganz anders als in Deutschland. Das fängt schon bei den ganz offensichtlichen Sachen wie der Schuluniform an, die jeder Schüler tragen muss. Ich hatte in meinem ersten halben Jahr die ganz normale Uniform meiner Schule. In der zweiten Hälfte bekam unser Jahrgang eine neue Uniform, da ein neues Schuljahr begonnen hatte und ich in den Abschlussjahrgang gekommen war. Es ist in Costa Rica üblich, dass der letzte Jahrgang eine eigene Uniform hat.
Die Schule startet morgens um sieben Uhr und die Schüler kommen entweder zu Fuß oder mit dem Bus. Schluss war dann nachmittags um 16:10 Uhr, und es dauerte eine Weile, bis ich mich an den doch sehr langen Schultag gewöhnt hatte. Auch im Allgemeinen mochte ich die Schule dort am Anfang nicht besonders. Ich war super zufrieden mit allem und von Anfang an total verliebt in das Land, aber die Schule fand ich eher mittelmäßig. Ich war zwar ganz gerne dort, aber dadurch, dass ich die Sprache noch nicht gut konnte, war es relativ anstrengend für mich. Die Stunden zogen sich sehr lange hin und ich war andauernd kaputt und müde. Doch das änderte sich nach ca. drei Monaten und ich fing an, die Schule zu lieben. In Deutschland bin ich noch nie so gerne zur Schule gegangen. Ich war sogar richtig froh, wenn wieder Montag war, damit die Schulwoche wieder losgehen konnte. Man trifft dort einfach alle seine Freunde auf einmal und hat immer total viel Spaß. Der Unterricht ist nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen, aber gerade deswegen konnte ich auch in den Stunden mit meinen Freunden zusammensitzen und einfach reden. Auch mal mit den Freunden für 20 Minuten aus dem Raum zu verschwinden war kein Problem. Generell sind dort auch einfach alle so freundlich und jeder kann mit jedem was machen. Keiner guckt dich blöd an, wenn du dich einfach zu einer anderen Gruppe dazu stellst, und deshalb ist es wirklich so, dass man nicht einfach nebeneinanderher lebt, sondern dass der Jahrgang wie eine große Familie ist.
Jetzt aber noch zur Schule an sich. Die Schulen in Costa Rica bestehen meistens einfach aus mehreren aneinander gereihten Räumen. Bei uns waren es etwa fünf oder sechs, die dann einzelne Reihen bildeten. Wir hatten vier Reihen und zwischen diesen waren dann quasi die Gänge. Diese waren auch überdacht, für den Fall dass es regnet, aber generell war die Schule quasi unter freiem Himmel, was ich auch unglaublich mochte.
Die Fächer, die in Costa Rica unterrichtet werden, sind fast die gleichen wie in Deutschland, zum Teil etwas abgewandelt, aber doch sehr ähnlich. Noch ein Vorteil: Es gibt so gut wie nie Hausaufgaben; nur manchmal eine kleine Übung aber auch sehr selten. Das war schon sehr entspannt.
Die Lehrer dort sind auch sehr nett, man spricht sie alle beim Vornamen an und hat ein eher freundschaftliches Verhältnis zu ihnen. Insgesamt bin ich dafür, dieses Schulsystem hier in Deutschland einzuführen 😉
Meine Gastfamilie war, genau wie ich es mir gewünscht hatte, auch sehr groß. Ich habe drei Schwestern im Alter von 18, 17 und 4 Jahren und einen Bruder, der 13 Jahre alt ist. Meine Eltern sind sehr jung. Meine Mama ist 37 und mein Papa 40 Jahre alt. Beide haben jeweils 7 Geschwister, die fast alle auch schon Familie und Kinder haben. Also ist auch die weitere Familie recht groß. Ich wurde von allen von Anfang an herzlich aufgenommen und unsere gemeinsamen Unternehmungen haben immer sehr viel Spaß gemacht. Ich finde so große Familien sehr schön, da man immer wen hat, wenn gerade mal was ist, und vor allem bei den Ticos ist wirklich immer viel los.
Bevor ich nach Costa Rica gegangen bin, habe ich mir immer nur gewünscht, dort irgendwo Fußball spielen zu können, denn ein Jahr ohne Fußball, das wäre für mich unmöglich gewesen. Als ich ca. einen Monat in Costa Rica war, bin ich durch einen Zufall zur Mädchen-Futsalmannschaft gekommen. Futsal ist übrigens eine Art Hallenfußball, jedoch mit einem anderen Ball und auch etwas anderen Regeln, was ein sehr viel schnelleres und technisch anspruchsvolleres Spiel ermöglicht. Ich wurde bereits beim ersten Training quasi dazu verpflichtet, meinen Rückflug im nächsten Jahr umzubuchen, um an der nationalen Meisterschaft teilnehmen zu können. Letztendlich ist es auch genau so gekommen. Dazwischen lagen aber etliche Trainingseinheiten, dreimal pro Woche, jeweils mit einer 45-minütigen Laufeinheit an einem Berg.. Das war schon echt krass, vor allem am Ende, als es nur noch um die Vorbereitung für die nationale Meisterschaft ging. Als wir dann die Qualifikationsphase geschafft hatten, ging es für uns für eine Woche nach San José, wo die diesjährigen Spiele stattfanden, und gleich zu Beginn hat man gemerkt, dass das etwas total Besonderes war. Die nationale Meisterschaft ist auch nicht ausschließlich ein Futsal-Turnier, denn zeitgleich trugen dort Basketballer, Volleyballer, Handballer, Schwimmer, Leichtathleten, Skater und viele mehr ihre Turniere aus. Es war also wie eine richtige Olympiade. Das Fernsehen hat immer berichtet, es gab eine Einschwörung zu Beginn und selbst ein Feuer wurde bei der großen Eröffnungsveranstaltung entzündet.
Wir haben es dann tatsächlich geschafft und nach sechs Spielen an sechs Tagen die Meisterschaft gewonnen –eine der unbeschreiblichsten Erfahrungen meines Lebens. Das erste Mal nach 16 Jahren konnte meine Mannschaft das Turnier gewinnen und dass sich all unsere Bemühungen so gelohnt hatten, war einfach super. Mädchenfußball wird in Costa Rica auch überhaupt nicht belächelt, sondern sehr ernst genommen und auch total unterstützt. Gefühlt nahm unsere halbe Stadt die zweistündige Autofahrt auf sich, nur um uns zu unterstützen. Auch die Atmosphäre in der Halle war unbeschreiblich. Wenn man ein Tor geschossen hat, fühlte man sich, als ob man in einem richtigen Stadion war. So ist das aber generell in Costa Rica. Auch die, die mit Fußball sonst nicht so viel am Hut haben, kommen, wenn das örtliche Team spielt, machen Stimmung und unterstützen die Mannschaft. Dazu gehört auch, dass man mal gegen die Gegner pöbelt, aber das ist auch alles kein Problem, denn anders herum wird das ja auch genauso gemacht. 😉 Auch vor dem Spiel wird Stimmung gemacht, indem gesungen und getanzt wird. Dabei pusht man sich total hoch und motiviert sich gegenseitig. So ist das einfach in Costa Rica. 🙂 Ich kenne jetzt bestimmt 100 Schlachtrufe auswendig!
Nicht nur die Erfahrungen beim Finale, sondern generell die Zeit, die ich mit meinen Futsal-Mädels verbracht habe, war immer der Hammer und ich vermisse alle sehr. Ohne sie wäre mein Auslandsjahr sicherlich nicht so unvergesslich geworden, wie es schlussendlich war.
An meinem letzten Schultag waren alle total lieb, haben mir Geschenke gegeben und auf meiner Flagge unterschrieben. Es wurden unzählige Fotos gemacht und ich habe mich von meinen Lehrern und dem Personal verabschiedet. Es war ein toller letzter Tag, wenn auch sehr traurig. An diesem Abend hat meine Fußballmannschaft noch eine Feier für mich gegeben. Auch das war wie immer richtig toll, und als sie mir am Ende noch ein Video, das sie extra für mich gemacht haben, gezeigt haben, musste ich natürlich wieder heulen (wie auch tausende Male die Tage davor). Ich hatte noch tolle Gespräche und es ist einfach so ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass man den Leuten dort wirklich etwas bedeutet.
Ich habe noch tausende Nachrichten bekommen von all meinen Freunden und Verwandten und auch heute schreiben mir noch viele, dass ich doch bitte sofort zurückkommen soll. So etwas ist echt toll zu hören. Ich weiß, dass ich in dieser kurzen Zeit in Costa Rica echte Freunde fürs Leben gefunden habe und schätze das sehr. Ich habe immer wieder gehört, dass man nach einiger Zeit kein „Heimweh“ mehr haben wird, und es stimmt, es ist etwas weniger geworden, aber es ist auch nach über vier Monaten in Deutschland immer noch sehr stark. Ein Auslandsjahr ist halt schon eine sehr große Erfahrung, an die man für immer denken wird.
